Kochen an Bord ist eigentlich nichts Besonderes, nur halt echt klein? Ja. Stimmt eigentlich. Aber für uns ist es mehr als Nahrungszubereitung. Es ist für uns Lebensstil, Alltagspoesie und ein bisschen Küchenkabarett. Was passiert zum Beispiel, wenn man blind ein paar Konservendosen aus der Bilge fischt (oder mit geschlossenen Augen in die Kühlbox taucht) und das Ertastete mit einer Prise Was-Auch-Immer anbrät? Genau das ist Bilge-Bingo, Kühlbox-Roulette und manchmal auch Stullen-Show. In unserer winzigen Pantry geschieht Großes: Festessen, stille Mahlzeiten und wilde Reste-Challenges.
Der neue Song feiert genau das: die Kunst des Alltags, die Alchemie des Schlichten – und die Dankbarkeit dafür, was wir auf dem Teller haben. Er erzählt vom Tanz der Löffel, vom stillen Teller, vom dampfenden Glück. Von der Frage: „What’s for dinner, Captain?“
Wir machen unzählige Fotos was und wo wir gerade futtern: echte Schnappschüsse vom Moment bevor der Löffel eintaucht. Könnt ihr es riechen? Guten Appetit!
🎬 Das Video findet ihr direkt hier weiter unten 📜 Den kompletten Text – englisch & deutsch – gibt’s gleich darunter. 🥁🎸 Musik von Bord – jetzt gebündelt Für alle, die unsere Songs mögen (und sich vielleicht auch über neue freuen), gibt es ab sofort eine eigene YouTube-Playlist mit allem, was bisher an Bord entstanden ist – und was noch dazukommt. Immer der frischeste Track zuerst. Perfekt zum Bügeln? Kann sein. Wir haben gar kein Bügelbrett. 👉Hier geht’s zur Playlist : Sailing Fuchur – Complete Soundtrack
(Buletti-Drama, Gipfelchenglück, Atlantikzauber und Ankern mit Stil)
Ein Monat ist vergangen – und was für einer. Kein dramatischer Kurswechsel, keine monumentalen Katastrophen. Stattdessen: viele kleine, schöne, schräge, windige, heiße, rollige, salzige, glitzernde, rutschige und herzerwärmende Momente.
Wir haben neue Orte entdeckt, neue Delfine gesehen, neue Mücken verflucht, neue Märkte geplündert, Bootsarbeiten erledigt – und: Trommelwirbel – endlich einen neuen Buletti bekommen! Nach Wochen des Hin und Hers, in denen wir gezwungenermaßen länger in den Rías de Arousa und Vigo blieben, haben wir das gute Stück abgeholt. Und weitere zwei Wochen später wurde dann auch endlich der alte vom Spediteur eingesammelt – ein logistisches Kunststück. Es war übrigens die erste Gelegenheit seit Texel, mal wieder eine Nacht im Hafen statt vor Anker zu verbringen.
Ansonsten hüpfen wir von Ankerbucht zu Ankerbucht – je nachdem, wo wir bei der gerade angesagten Windrichtung sicher liegen können. Um an Land zu kommen, nutzen wir unser treues Dinghy Poldi. Dabei hat uns bisher unsere Technik des „Pruderns“ den Einsatz des Außenborders erspart. Unsere Bioversion: Wir rudern nicht, sondern paddeln vierhändig vorwärts. Das sieht etwas seltsam aus – auch weil wir Kajakpaddel benutzen – ist aber erstaunlich effektiv. Und so können sich zwei die Arbeit teilen. Mal sehen, wann das erste Mal die Strecke zu weit oder der Wind zu viel wird.
Über den allgegenwärtigen Restschwell, der vom Atlantik gefühlt auch noch den letzten Winkel der Rías erreicht, und die fiesen Wellen, die Fischer, Fähren, Motorboote und Jetskis verursachen, ist übrigens ein eigener Song in Arbeit – Titel: „Rocking at Anchor“.
Highlights & Lieblingsmomente:
Inseln Salvora, Ons, Cíes und San Martiño: türkisblau, wild und wunderschön. Als hätten die Götter der Seekarten ein paar Postkarten in den Ozean gelegt. Tagsüber überrannt – ja, wir sind auch Touristen –, aber abends gehörten uns Strand, Leuchtturm und Gipfelchen quasi allein. Um dort zu segeln und zu ankern braucht man eine Erlaubnis, eine grundsätzliche und eine für den jeweiligen Tag. Das war aber kein großer Aufwand. Hier gibt es mehr Informationen zu den Inseln: https://illasatlanticas.gal/es
Ría de Aldán: unser persönlicher Geheimtipp bei wenig Schwell – zerklüftete Felsen, glasklares Wasser, Dinghytouren zwischen den umspülten Felsen im Abendlicht.
Gipfelstürmerchen werden: Faro de Cíes, Alto do Príncipe, Facho de Donón – wir sind einigermaßen fit, auch wenn die Erhebungen mit unter 200 m eher als Gipfelchen durchgehen.
Stadt & Schweiß: Caramiñal zur Mittagszeit – nie wieder. Inzwischen halten wir Siesta und laufen früh oder spät am Tag: Pontevedra (diesmal nur leichtes Busroulette), Boiro, Moaña, Baiona …
Bordleben: Lampen montiert, Solarpanels umverdrahtet, gebrochenes Dinghyruder repariert, Solarladeregler ersetzt, das eine oder andere fehlende Teil bestellt. Man muss die Gelegenheit nutzen, wenn man mal eine freundlich bereitgestellte Lieferadresse hat (danke, Porto Deportivo de Moaña!).
Besondere Orte: Eigentlich jeder. Und dann noch San Simón – ein Ort voller Geschichte und Fischkindergarten. Wir liegen wie in einem aufgeschlagenen Geschichtsbuch vor Anker, schnorcheln bei Statuen, beobachten Fischschwärme beim Planktonfressen, sehen Möwen beim Fischfangtraining zu und bleiben einfach noch einen Moment. Dazu eine Jugendgruppe, die dort rudert, badet, spielt – Leben trifft Erinnerung. Die Geräuschkulisse hat uns dabei überhaupt nicht gestört. Im Gegenteil: Sie hat wohl das ein oder andere Gespenst vertrieben. Hier gibt es mehr Informationen zur Insel San Simon: https://es.wikipedia.org/wiki/Isla_de_San_Sim%C3%B3n
Immer wieder sehen wir Fischern bei der Arbeit zu. Rund um die Muschelfarmen und draußen auf dem Atlantik gibt es noch viele, die mit kleinen Booten, Netzen, Reusen, Langleinen oder auch tauchend, umweltschonend und nachhaltig, Meereswirtschaft betreiben – jedenfalls soweit wir das beurteilen können und recherchiert haben. Dabei kommen sie frühmorgens, spätabends und gelegentlich auch nachts quasi in unserer Koje vorbei. Eine erstaunlich friedliche Koexistenz.
Was uns hier ein bisschen traurig stimmt: die Sprachbarriere. Fast alle Menschen, die wir treffen, sind freundlich, interessiert, hilfsbereit. Aber über das Nötigste hinaus, was sich mit Händen, Füßen und wildem Anfängerspanisch irgendwie zusammenrudern lässt, wird es schnell still. Bei Englisch oder Französisch winken hier selbst die meisten jungen Spanier müde ab. Dafür sprechen sie Galego und Spanisch.
Und so bleiben viele Fragen über Land, Leute und Lebensrealität unbeantwortet – oder müssen mit Suchmaschine und Fantasie übersetzt werden.
Unsere Erkenntnis: „Hätten wir doch vorab mehr Energie in die Sprachvorbereitung gesteckt!“ Und gleich danach: „Wie lernt man jetzt bitte noch schnell Portugiesisch (und, und, und …)?“
Wir werden berichten.
An den zentraleren Ankerplätzen trifft sich die Welt. Es wehen Flaggen aus so mancher Herren Länder an den Hecks der Nachbarlieger. Manche auf dem Weg von Nord nach Süd oder umgekehrt, manche von den Azoren oder sonstwo kommend und gehend. Vor Anker machen es dann alle mehr oder weniger gleich: Dinghy hits the beach, Müll entsorgen, Lebensmittel kaufen, Bootsteile und Co besorgen, Gegend erkunden – repeat.
Und Fuchur?
Unser Glücksdrache auf See hat alles geduldig mitgemacht: das Herumgeeier wegen der Paketverfolgung, das Rollgewoge, das Verharren in windstillen Buchten, das ewige „nur kurz umbauen“. Manchmal scheint es, als würde Fuchur seufzen, wenn wir schon wieder den Werkzeugkoffer rausholen. Und dann funkelt er im Abendlicht, tanzt durch glitzernde Wellen – und wir wissen: Er ist genauso neugierig und langsam unruhig wie wir.
Unser Bordleben tastet sich weiter nach Süden – Richtung Portugal. Noch ein paar Pirouetten mit Paketdiensten, noch ein bisschen Bastelei, und dann: weiter. Aber bis dahin genießen wir – ganz in „Dinghy-hits-the-beach“-Manier – das Gluckern und Rauschen zwischen all den kleinen großen Momenten. Alles ein bisschen wie im Werbeclip. Nur mit mehr Sand im Bett.
Wir melden uns!
Liebe Mitphantasten,
nach 2 Tagen vor Anker neulich bei San Simón hat mich etwas nicht losgelassen. Eine stille Gegenwart, geschichtet aus Zeit und Erinnerung. Aus diesem Gefühl ist ein Lied entstanden – über das, was war, was bleibt und was zwischen den Zeilen klingt.
„A illa fala, se sabes escoitar.“ Die Insel spricht, wenn du zuhören kannst.