Ein Aufbruch ins Ungewisse. Gerade sind wir von Porto aus losgesegelt – Kurs Madeira. Über 600 Seemeilen liegen vor uns. Unsere bisher längste Überfahrt. Alles ist vorbereitet, alles seefest verstaut, alle Systeme gecheckt – und doch bleibt der Nervenkitzel: Wir wissen nicht, wie wir das meistern und verkraften werden.
Wenn es ganz gut läuft und wir zwischen Wind, Wellen und eventueller Seekrankheit ein bisschen Muße finden, wollen wir unterwegs an neuer Musik arbeiten.
Jetzt rollen wir in sich langsam lichtendem Nebel bei noch zu wenig Wind in der moderaten Atlantikdünung vor uns hin und warten auf den angekündigten guten Wind, um raumschots loszuzischen. Die Augen ständig auf der Suche nach der nächsten Fischerboje. Und wir hoffen sehr, keine Orcas zu sichten – in letzter Zeit interagieren sie hier gerne mit Segelbooten, und das leider nicht immer sanft.
Toitoitoi, wir melden uns!
Von den Blauen Bergen kommen wir – der Atlantik zwischen Porto und Porto Santo
650 Meilen Wasser, sechs Tage, fünf Nächte, wir zwei, unser Fuchur und ein Haufen Wellen, die eigentlich nur eins wollten: uns durcheinanderwirbeln.
Nachdem wir uns das bunte Porto ausführlich erlaufen und mit dem Linienbus erfahren hatten. Eine Stadt, die uns begeistert hat – wären da nicht die unzähligen Touristen, zu denen wir ja letztendlich auch gehören. Wir hielten uns möglichst abseits in den Seitengassen und genossen!
Dann blinkt uns Porto Santo, die kleine Insel direkt neben Madeira, an wie ein Schatz, ein Juwel, als wollte es sagen: „Willkommen, Überlebende der Wellen!“ und wir denken nur: „Ja, wir haben das wirklich durchgezogen. Und wir argwöhnten mal, es vielleicht nur bis Helgoland zu schaffen. Nun, schwupsdiewups finden wir uns auf Höhe Afrika wieder.“
Die See unterwegs? Ein wilder aber nicht hochprozentiger Cocktail: Nordwind 10–30 Knoten, Wellen von gemütlich wie Badewannenplätschern bis zu stolzen 3 Metern, ein bisschen Regen für Würze, sonst Sonne satt. Vor Mondaufgang alles pechschwarz, nur das Rauschen der Wellen begleitet uns. Danach: Sterne wie Konfetti und gespenstische Wolkenfetzen. Die Wellen kamen von überall, brachen hinter unserem Heck oder trafen uns seitlich, und wir rasten mit 7 Knoten davor und hindurch. Schlafen blieb dabei mehr im Status „optional“. Und jeder Handgriff und jeder Schritt: ein Mini-Abenteuer mit akribischer Planung.
Die Technik wollte auch Theater spielen. Die Vorsegel-Rollanlage zickte, das Spinnakersetup machte Faxen, das Stagsegel wollte unbedingt mittanzen. Aber hey, wir haben alles gerockt, mit Schweiß auf der Stirn, einem Grinsen und ein paar kniffeligen Momenten. Fuchur hat die Aktion noch mehr gefeiert als wir. Er flog übermütig über die Wellen dahin, ganz in seinem Element.
Es war nervig. Es war herausfordernd. Es war teilweise sogar ein bisschen aggressionsfördernd. Aber es kam nicht zu Mord;-) Zwischendurch: Cockpit-Dusche bei Wellenchaos. Wellness pur! Dagegen ist ein 5 Sterne Hotel nichts, man muss nur klebrig genug sein! Ein bisschen Wasser, ein bisschen Seebrise, ein bisschen Heldengefühl. Und diese Momente, in denen man einfach nur auf die Wellen schaut, das Herz in der Hand, den Wind in den Haaren… unbezahlbar. Und der Spaß? Absolut inklusive. Wir haben gelacht, geflucht, gelegentlich wild getanzt, und jede Sekunde davon in uns aufgesogen.
Wer jetzt Lust hat, ein Stück von diesem verrückten Atlantik-Trip selbst nachzufühlen: Song hören, Video gucken. Da rauschen die Wellen, fliegt der Wind, und ihr spürt ein bisschen von dem Chaos, der Magie und der Gänsehaut, die wir sechs Tage und fünf Nächte lang getankt haben. Spoiler: Fuchur lacht leise über unsere Menschensachen. Wir sind inzwischen einen Hüpfer weiter gesegelt, nach Madeira, aber dazu später mehr.
Kochen an Bord ist eigentlich nichts Besonderes, nur halt echt klein? Ja. Stimmt eigentlich. Aber für uns ist es mehr als Nahrungszubereitung. Es ist für uns Lebensstil, Alltagspoesie und ein bisschen Küchenkabarett. Was passiert zum Beispiel, wenn man blind ein paar Konservendosen aus der Bilge fischt (oder mit geschlossenen Augen in die Kühlbox taucht) und das Ertastete mit einer Prise Was-Auch-Immer anbrät? Genau das ist Bilge-Bingo, Kühlbox-Roulette und manchmal auch Stullen-Show. In unserer winzigen Pantry geschieht Großes: Festessen, stille Mahlzeiten und wilde Reste-Challenges.
Der neue Song feiert genau das: die Kunst des Alltags, die Alchemie des Schlichten – und die Dankbarkeit dafür, was wir auf dem Teller haben. Er erzählt vom Tanz der Löffel, vom stillen Teller, vom dampfenden Glück. Von der Frage: „What’s for dinner, Captain?“
Wir machen unzählige Fotos was und wo wir gerade futtern: echte Schnappschüsse vom Moment bevor der Löffel eintaucht. Könnt ihr es riechen? Guten Appetit!
🎬 Das Video findet ihr direkt hier weiter unten 📜 Den kompletten Text – englisch & deutsch – gibt’s gleich darunter. 🥁🎸 Musik von Bord – jetzt gebündelt Für alle, die unsere Songs mögen (und sich vielleicht auch über neue freuen), gibt es ab sofort eine eigene YouTube-Playlist mit allem, was bisher an Bord entstanden ist – und was noch dazukommt. Immer der frischeste Track zuerst. Perfekt zum Bügeln? Kann sein. Wir haben gar kein Bügelbrett. 👉Hier geht’s zur Playlist : Sailing Fuchur – Complete Soundtrack
(Buletti-Drama, Gipfelchenglück, Atlantikzauber und Ankern mit Stil)
Ein Monat ist vergangen – und was für einer. Kein dramatischer Kurswechsel, keine monumentalen Katastrophen. Stattdessen: viele kleine, schöne, schräge, windige, heiße, rollige, salzige, glitzernde, rutschige und herzerwärmende Momente.
Wir haben neue Orte entdeckt, neue Delfine gesehen, neue Mücken verflucht, neue Märkte geplündert, Bootsarbeiten erledigt – und: Trommelwirbel – endlich einen neuen Buletti bekommen! Nach Wochen des Hin und Hers, in denen wir gezwungenermaßen länger in den Rías de Arousa und Vigo blieben, haben wir das gute Stück abgeholt. Und weitere zwei Wochen später wurde dann auch endlich der alte vom Spediteur eingesammelt – ein logistisches Kunststück. Es war übrigens die erste Gelegenheit seit Texel, mal wieder eine Nacht im Hafen statt vor Anker zu verbringen.
Ansonsten hüpfen wir von Ankerbucht zu Ankerbucht – je nachdem, wo wir bei der gerade angesagten Windrichtung sicher liegen können. Um an Land zu kommen, nutzen wir unser treues Dinghy Poldi. Dabei hat uns bisher unsere Technik des „Pruderns“ den Einsatz des Außenborders erspart. Unsere Bioversion: Wir rudern nicht, sondern paddeln vierhändig vorwärts. Das sieht etwas seltsam aus – auch weil wir Kajakpaddel benutzen – ist aber erstaunlich effektiv. Und so können sich zwei die Arbeit teilen. Mal sehen, wann das erste Mal die Strecke zu weit oder der Wind zu viel wird.
Über den allgegenwärtigen Restschwell, der vom Atlantik gefühlt auch noch den letzten Winkel der Rías erreicht, und die fiesen Wellen, die Fischer, Fähren, Motorboote und Jetskis verursachen, ist übrigens ein eigener Song in Arbeit – Titel: „Rocking at Anchor“.
Highlights & Lieblingsmomente:
Inseln Salvora, Ons, Cíes und San Martiño: türkisblau, wild und wunderschön. Als hätten die Götter der Seekarten ein paar Postkarten in den Ozean gelegt. Tagsüber überrannt – ja, wir sind auch Touristen –, aber abends gehörten uns Strand, Leuchtturm und Gipfelchen quasi allein. Um dort zu segeln und zu ankern braucht man eine Erlaubnis, eine grundsätzliche und eine für den jeweiligen Tag. Das war aber kein großer Aufwand. Hier gibt es mehr Informationen zu den Inseln: https://illasatlanticas.gal/es
Ría de Aldán: unser persönlicher Geheimtipp bei wenig Schwell – zerklüftete Felsen, glasklares Wasser, Dinghytouren zwischen den umspülten Felsen im Abendlicht.
Gipfelstürmerchen werden: Faro de Cíes, Alto do Príncipe, Facho de Donón – wir sind einigermaßen fit, auch wenn die Erhebungen mit unter 200 m eher als Gipfelchen durchgehen.
Stadt & Schweiß: Caramiñal zur Mittagszeit – nie wieder. Inzwischen halten wir Siesta und laufen früh oder spät am Tag: Pontevedra (diesmal nur leichtes Busroulette), Boiro, Moaña, Baiona …
Bordleben: Lampen montiert, Solarpanels umverdrahtet, gebrochenes Dinghyruder repariert, Solarladeregler ersetzt, das eine oder andere fehlende Teil bestellt. Man muss die Gelegenheit nutzen, wenn man mal eine freundlich bereitgestellte Lieferadresse hat (danke, Porto Deportivo de Moaña!).
Besondere Orte: Eigentlich jeder. Und dann noch San Simón – ein Ort voller Geschichte und Fischkindergarten. Wir liegen wie in einem aufgeschlagenen Geschichtsbuch vor Anker, schnorcheln bei Statuen, beobachten Fischschwärme beim Planktonfressen, sehen Möwen beim Fischfangtraining zu und bleiben einfach noch einen Moment. Dazu eine Jugendgruppe, die dort rudert, badet, spielt – Leben trifft Erinnerung. Die Geräuschkulisse hat uns dabei überhaupt nicht gestört. Im Gegenteil: Sie hat wohl das ein oder andere Gespenst vertrieben. Hier gibt es mehr Informationen zur Insel San Simon: https://es.wikipedia.org/wiki/Isla_de_San_Sim%C3%B3n
Immer wieder sehen wir Fischern bei der Arbeit zu. Rund um die Muschelfarmen und draußen auf dem Atlantik gibt es noch viele, die mit kleinen Booten, Netzen, Reusen, Langleinen oder auch tauchend, umweltschonend und nachhaltig, Meereswirtschaft betreiben – jedenfalls soweit wir das beurteilen können und recherchiert haben. Dabei kommen sie frühmorgens, spätabends und gelegentlich auch nachts quasi in unserer Koje vorbei. Eine erstaunlich friedliche Koexistenz.
Was uns hier ein bisschen traurig stimmt: die Sprachbarriere. Fast alle Menschen, die wir treffen, sind freundlich, interessiert, hilfsbereit. Aber über das Nötigste hinaus, was sich mit Händen, Füßen und wildem Anfängerspanisch irgendwie zusammenrudern lässt, wird es schnell still. Bei Englisch oder Französisch winken hier selbst die meisten jungen Spanier müde ab. Dafür sprechen sie Galego und Spanisch.
Und so bleiben viele Fragen über Land, Leute und Lebensrealität unbeantwortet – oder müssen mit Suchmaschine und Fantasie übersetzt werden.
Unsere Erkenntnis: „Hätten wir doch vorab mehr Energie in die Sprachvorbereitung gesteckt!“ Und gleich danach: „Wie lernt man jetzt bitte noch schnell Portugiesisch (und, und, und …)?“
Wir werden berichten.
An den zentraleren Ankerplätzen trifft sich die Welt. Es wehen Flaggen aus so mancher Herren Länder an den Hecks der Nachbarlieger. Manche auf dem Weg von Nord nach Süd oder umgekehrt, manche von den Azoren oder sonstwo kommend und gehend. Vor Anker machen es dann alle mehr oder weniger gleich: Dinghy hits the beach, Müll entsorgen, Lebensmittel kaufen, Bootsteile und Co besorgen, Gegend erkunden – repeat.
Und Fuchur?
Unser Glücksdrache auf See hat alles geduldig mitgemacht: das Herumgeeier wegen der Paketverfolgung, das Rollgewoge, das Verharren in windstillen Buchten, das ewige „nur kurz umbauen“. Manchmal scheint es, als würde Fuchur seufzen, wenn wir schon wieder den Werkzeugkoffer rausholen. Und dann funkelt er im Abendlicht, tanzt durch glitzernde Wellen – und wir wissen: Er ist genauso neugierig und langsam unruhig wie wir.
Unser Bordleben tastet sich weiter nach Süden – Richtung Portugal. Noch ein paar Pirouetten mit Paketdiensten, noch ein bisschen Bastelei, und dann: weiter. Aber bis dahin genießen wir – ganz in „Dinghy-hits-the-beach“-Manier – das Gluckern und Rauschen zwischen all den kleinen großen Momenten. Alles ein bisschen wie im Werbeclip. Nur mit mehr Sand im Bett.
Wir melden uns!
Liebe Mitphantasten,
nach 2 Tagen vor Anker neulich bei San Simón hat mich etwas nicht losgelassen. Eine stille Gegenwart, geschichtet aus Zeit und Erinnerung. Aus diesem Gefühl ist ein Lied entstanden – über das, was war, was bleibt und was zwischen den Zeilen klingt.
„A illa fala, se sabes escoitar.“ Die Insel spricht, wenn du zuhören kannst.
Hurra, die Ankerwinsch streikt beim Aufholen – also alles auf Anfang. Dabei war Fuchur schon segelfertig: Ankerball eingeholt, Badeleiter geborgen, Segel klar, Dinghy versorgt, alles seefest verstaut und ich hatte schon die Furlerleine und die Schot für das Einhand-Anker-Auf-Unter-Segeln-Manöver in der Hand. Stattdessen kommt am Steuerstand über unsere Walkie-Talkies aus dem Bug an: „Die Ankerwinsch streikt!“ Also Fehlersuche. Lieber hier in der Bucht, wo wir auf moderater Tiefe ankern, als später von Hand aus 15 Metern Tiefe aufzuholen. Wir vermuten den Fehler in der Elektrik und haben schon durchgemessen. Chris schraubt also gerade das Relais auseinander, ich nutze die gewonnene Zwangspause – endlich Blogzeit!
Ein Blogbeitrag ist für uns mehr als ein Reisebericht. Er ist wie eine kleine Zeitkapsel: innehalten im Fluss des Erlebens, sortieren, sichten – was war bedeutsam? Was erzählenswert? Für euch Leser:innen ist es vielleicht ein Blick hinter die Kulissen des Segelns, für uns ein Spiegel, der hilft, das Erlebte zu greifen.
Aber genau das ist oft schwierig. Ich wollte schon vor gut einer Woche anfangen zu schreiben – da kam er, der Regen-Blackout. Kreativ lähmend. Immerhin: ein paar Stichworte habe ich gerettet, die ich jetzt um eine weitere Woche voller Eindrücke und Erlebnisse ergänze.
Es war eine dieser Nächte. Schwell. Mücken. Obwohl wir den Ankerplatz sorgfältig gewählt hatten, um möglichst wenig Atlantikdünung abzubekommen. Um sieben klingelt der Wecker. Wettercheck noch im Bett: Regen – war so nicht angesagt. Wenigstens stimmt der Wind.
Chris ist zuerst wach, macht Kaffee. Dann Tagesplanung: Plan A, B, C – je nachdem, was Wetter, Boot und Tagesform zulassen. Plötzlich höre ich sein zögerliches, dann dringlicheres: „Helga, hier stimmt was nicht!“ – Was denn jetzt schon wieder?! Kann man das nicht gleich genauer sagen?
Ich stürze (so schnell es eben geht) aus der Vorschiffskoje. Rieche es sofort: Verhängnis. Unsere Powerstation qualmt. Obwohl sie ausgeschaltet ist. Mit vier Händen trennen wir schnell alles vom Solarnetz und bugsieren es ins Cockpit. Schnell eine Plane drüber gespannt, denn es darf ja auch nicht nass werden. Minuten später ist das Boot gelüftet. Aber wir sind erst mal stromlos. Kein Ofen, keine Mikrowelle, keine Induktion, kein Wasserkocher – kein „Buletti“ mehr, wie wir unsere geliebte Küchenhilfe nennen, weil sie uns Buletten, Kaffee und Co. zubereitet.
Also: kühlen Kopf bewahren. Mails an Händler und Hersteller, Garantieanfrage. Ob der Support wohl funktioniert ohne feste Adresse und bei unklarer Erreichbarkeit? Einschicken? Undenkbar. Warten? Auch keine Option. Wenigstens läuft der Gaskocher noch – der Kaffee ist gerettet. Danach: aufräumen, putzen, Alltag eben.
Dann schnell noch ein paar Dinge klären: deutscher Behördenkram, Ersatzteile recherchieren – etwa die AIS-GPS-Antenne, die uns seit dem Ärmelkanal fehlt (weshalb wir auf Vesselfinder und Co noch immer bei den Needles festhängen ;-). Essenszeit. Derzeit: Schlabbertoast. Das gute „Pan Barre“ ist alle.
Vielleicht einkaufen? Mit dem Dinghy an Land paddeln? Man versucht, einen Nachmittagsplan zu fassen – und später, endlich, sitze ich im trockenen Cockpit, bereit zu schreiben. Motiviert. Und dann… brodelt das Wasser.
Riesige Schwärme kleiner Fische – Sardinen, denke ich – tanzen ums Boot. Ich MUSS hinschauen. Lange. Natürlich. Ich nenne es jetzt meditatives Sardinen-Starren – sehr entschleunigend.
Wieder hingesetzt. Nächste Naturbühne. Ich springe auf, will es sehen, festhalten – und schon ist der Schreibmoment wieder dahin. Am Abend zum Hochwasser – das hier ganz ohne Uhr funktioniert – wird’s wilder. Delfine jagen bis kurz vor den Strand. Fischer setzen ihre Reusen aus – hoffentlich nicht über unsere Ankerkette, die wir morgen bergen wollen. Morgens ganz früh holen sie die Körbe direkt neben unserem „Schlafzimmerfenster“ wieder ein.
Gestern waren da Muscheltaucher. Stundenlang. Mit langen Pressluftschläuchen, direkt neben dem Boot. Klar stören wir irgendwie. Und doch: freundlich, rücksichtsvoll. Danke!
Wir hoffen immer noch auf frische Muscheln vom Markt oder Hafen. Bisher hat’s nie geklappt – Markt schon vorbei oder Rückweg zu lang. Ohne Kühlung keine gute Idee. Essen gehen? Nicht unser Stil.
Es passiert einfach zu viel. Immer. Und das erschwert es, über Vergangenes zu schreiben. Deshalb heute – als Versuch, alles zu sammeln – in Stichworten die 30 Tage seit der Biskaya:
Cedeira: Ankunft nach der Überfahrt. Rummel (Kirmes). Spaziergang in den Hügeln – fast wie Schottland. Regenwasser gesammelt – das Auffangsystem auf Bimini und Dodger funktioniert! (Dazu später mal mehr.) Wäsche gewaschen.
Ferrol (Castell San Felipe): Vor Anker. Erste Mückenplage. Kreuzfahrtschiff zum Anfassen nah. Schlepper machen Wasser-Feuerwerk. Castellbesuch: frei zugänglich, leer, 4 Katzen und ein paar Arbeiter beim Wiederaufbau. Ein Traum von Abenteuerspielplatz!
Redes: Allein am Ende der Ría. Langer, lohnender Fußmarsch nach Pontedeume.
Mera (bei A Coruña): Busausflug. Rückfahrt fällt aus wegen Triathlon. Busfahrer ignoriert uns – Sprachbarriere. Andere Spanier helfen mit Händen, Füßen, Google Translate. Dann Rückfahrt wenigstens einen Teil der Strecke, die letzten Kilometer zu Fuß, schwer bepackt. Ein netter Spanier zeigt uns seinen „geheimen Weg“.
Camariñas: Delfine direkt neben dem Ankerplatz. Wasser in Kanistern geholt (5 Mal mit dem Dhingy zum Strand). Wanderung in die Flussmündung, Stadtspaziergang, Küstenwanderung zum Kap. Wow!
Kap Finisterre: Ums „Ende der Welt“ gesegelt und später auch gewandert. Viel Wind. Busausflug nach Fisterra. Wir fallen mit unseren schweren Einkaufsrucksäcken zwischen den Pilgern gar nicht auf und hören oft den Gruß „bon camino“. Hier ist schließlich das Kür-Ende des Jakobsweges. Hat diesmal alles geklappt. Wir haben das mit der Busfahrerkommunikation auch extra vorher nochmal geübt. Basteltag an Bord.
Ría Muros – Aguieira: Erst in Esteiros geankert, dann nach Aguieira verlegt – besserer Windschutz. Reusenfischer, Dinghy-Ausflüge, Muscheltaucher. Nächtlicher Regen. Routenplanung bei Nieselwetter. Chris montiert endlich die Scheibenverschlüsse am Dodger richtig. Dann nochmal Ankerplatz gewechselt: Abelleira – Aguieira – hin und her, wegen Wind und Böen.
Pfingsten: Heiß! Jetzt hat auch Helga angebadet. Gleichzeitig: Thema Sonnenschutz & Mückenschutz. Wir basteln weiter an Patentlösungen und improvisieren auf hohem Niveau. galizien zeigt sich landschaftlich vielfältig: Norwegen in warm, Alpenseen mit Bushaltestellen zum Atlantik. Bis gestern ankerten wir vor einem fast menschenleeren Traumstrand, aber der stürmische Südwind (knapp 30 Knoten) hielt uns an Bord. Der Anker saß gut – auch die imposante Gewitterfront mit von Dauerblitzen rot erleuchteter Atmosphäre in der Nacht hat er tapfer ausgehalten – aber allein lassen wollten wir das Schiff nicht. Andere Boote kamen dazu, deren Anker eventuell nicht so zuverlässig halten. Kollisionen? Möglich. Bis vor Kurzem waren wir fast überall allein. Jetzt kreuzen sich die Wege mit anderen Seglern – dieselbe Route, derselbe Wind. Man trifft sich wieder oder sieht sich auf dem AIS.
Und dann – endlich: Angellizenz! Nach stundenlangem Recherchieren, Lesen, Verstehen, Durchklicken. Spanische Behördenwebseiten, Foren etc.. Ich fühle mit jedem, der der deutschen Sprache nicht oder nur wenig mächtig ist und z.B. versucht, in Deutschland einen Bauantrag zu stellen, um den Vergleich zu meinem alten Job zu ziehen 😉 Letztendlich war es halb Englisch, halb Spanisch über die katalonische Fischereibehörde online möglich, statt wie offiziell üblich x Kopien von x Formularen persönlich vorzulegen. Jetzt hoffen wir auf den ersten maßigen Fang. Muscheln dürfen wir nicht selbst sammeln – macht aber Sinn: Schutz der natürlichen Bänke.
Wir recherchieren viel. Beobachten, lernen, leben im Rhythmus von Wind, Wetter und Alltagsaufgaben. Und abends, wenn der Kopf einfach zu voll ist, gibt’s eine Folge Game of Thrones im abgedunkelten Schiffsinneren. Reset. Mückennetze anbringen. Jagd auf die kleinen Biester. Und dann: pure Dankbarkeit.
Mit oder ohne Strom – früher ging’s schließlich auch. Jetzt erstmal schauen, wo es Gasnachschub gibt. Gut, dass wir den Gasherd behalten haben.
Ach ja: Wir kämpfen immer noch mit der Zeitzone. Sonnenaufgang um 7 fühlt sich nicht wie kurz vor 5 Uhr an. Dieses von uns geliebte frische Frühaufstehergefühl fehlt. Aber dafür – das spüren wir in jeder Bucht – ist Galizien einfach monumental schön. Wir genießen die Tage. Die Nächte. Den Wind. Und das Leben auf Fuchur.
Wir haben den Fehler im Ankerwinsch-Relais gefunden und behoben (elektrische Kontaktschwierigkeiten). Dann kann es also jetzt weitergehen.
Wir melden uns!
Helga und Chris
So sieht der GPS-Track aus wenn wir länger ankernGanz da hinten: FuchurGanz da hinten: FuchurSardinen!Ganz da hinten: FuchurKap FinisterreWasser holen und einkaufentypischer GetreidespeicherBrücke deluxeGanz da hinten: FuchurGanz da hinten: FuchurA CorunaPontedeumeCastell St. Felipetypischer FriedhofAuch früher gab es Saunen an tollen OrtenRegen fangen