Chapter 18 – Zwischen Superyachten und Sauerteig – Antigua & Barbuda
Nach unserer Atlantiküberfahrt fällt der Anker endlich in Jolly Harbour an der Westküste von Antigua. Erst mal durchatmen. Sonne. Meer. Rum-Punch. Und dieses konkrete Gefühl, wieder Ankergrund unter dem Kiel zu haben. Natürlich erst nach der ordnungsgemäßen Einklarierung. Freundlich, geduldig, zeitintensiv. Karibiktempo. Wir lernen weiter.
Antigua und Barbuda zeigen sich von ihrer erwarteten Seite: traumhafte Buchten, Menschen aus aller Welt, die ihr ganz persönliches Karibikbild leben. Charterkatamarane, Superyachten, Tagesgäste. Wer Ruhe sucht, lernt schnell, zwischen Jetskis, Wingfoilern und Ausflugsbooten mitzudenken. Navigation findet nicht nur auf der Karte statt.
Wir schauen uns um. Stadtplanung, Architektur. Gates. Sichtachsen. Sonnenuntergangskorridore. „Stadt“planung als Versprechen. Alles sorgfältig komponiert – und direkt daneben Häuser in leuchtenden Bonbonfarben, pragmatisch, zusammengewachsen, voller Alltag. Am Straßenrand ausgediente Autos, Ersatzteillager im Freien. Über allem die Spuren vergangener Hurrikans. Eine Staubschicht aus Müll liegt wie ein Schleier über und unter fast allem. Nichts ist hier glatt, vieles erstaunlich widerstandsfähig.
An Bord von Fuchur läuft das Leben im eigenen Takt. Dinghy fest, Sauerteig gefüttert, Brot gebacken, GingerAle und Kefir angesetzt. Unser DIY-Wassermacher läuft endlich – und macht uns richtig stolz. Jeden Tag allerdings auch eine halbe Stunde Arbeit und Krach wegen der Kärcher-Hochdruckpumpe: halbes Bad ausräumen, zig Hebelchen umlegen, mit dem mühsam zwischen den Schauern ergatterten Sonnenstrom etwa 20 Liter Trinkwasser entsalzen, alles retour. Da überlegt man sich dreimal, ob man das Nudelwasser inklusive Salz doch lieber gleich mit dem Topf über Bord holt. Trotzdem: der Stolz über die Selbstversorgung überwiegt.
Routine trifft Improvisation. Schildkröten paddeln neugierig um Fuchur herum und schauen uns an, als hätten sie eine Meinung dazu. Wir beobachten, lachen, schütteln manchmal den Kopf. Der Karibik-Alltag dürfte eigentlich mehr Bootsarbeit wie Rumpf polieren enthalten. Doch oft ist es schlicht zu heiß, oder wir müssen dringend Land und Leute besuchen. Der ausführliche Riggcheck zeigt nochmal: Fuchur hat den Atlantik gut gemeistert. Ein paar Leinen tauschen wir vorsichtshalber in Martinique. Für die nächste große Passage wollen wir die ein oder andere Optimierung für das Handling vornehmen und die Leinenführung optimieren, damit durch die Dauerbelastung nichts mehr scheuert.
Mangroven, Korallenriffe, Algenteppiche. Sonnenauf- und -untergänge, die man kaum fassen kann. Schauer ziehen durch, hinterlassen vollständige Regenbögen, manchmal doppelt. Und endlich nach langen Monaten ohne wesentliche Niederschläge wieder Wasser zum mehr als Blitzduschen, Schnorchelequipment spülen, Wäsche waschen, Decksbeschläge entsalzen. Unsere Auffangstationen an Dodger und Bimini sind erfreulich effektiv.
Fregattvögel und Pelikane kreisen über uns. Palmen, weißer Sand, türkisfarbenes Wasser, großer Fisch jagt kleine Fische direkt unter dem Boot. Klischee? Ja. Aber einfach da. Zum Sundowner am Strand gesellen sich Heerscharen Glühwürmchen, die begeistern. Leider auch unsichtbare Sandfliegen, die fies beißen. Bloß nicht kratzen. Kleine Wunden werden hier im warmen Wasser schnell zu großen Problemen.
Wir schnorcheln. Staunen. Weniger Vielfalt als erhofft, mehr tote Korallen als erwartet. Beides bleibt hängen. Zwischendurch entsteht unser „Fuchur’s Morning-Briefing“-Song. Ankeralltag, chaotische Buchten, kleine Eigenheiten an Bord. Der Song macht Spaß – wichtiger ist, was wir sehen: wie unterschiedlich Menschen das Meer nutzen. Und wie die Natur versucht, ihren Raum zu behaupten.
Lebensmittel sind teuer. Sehr. Rum und Grapefruitsaft nicht. Sind das auch Lebensmittel? Wir kaufen gern an Straßenständen, gehen auf den Markt, schauen, was wächst, und versuchen mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Wilde Bananen, Mangos, eine frisch gefallene Kokosnuss. Und wir lernen Vorsicht: kleine grüne Äpfelchen sind Manchinelläpfel. Hochgiftig. Wieder was gelernt. Aber die ganz kleinen apfelähnlichen Früchte, die wir auf anderen Bäumen sahen, konnte man nach Gesprächen mit Einheimischen essen – fast wie Kirschen, aber grün.
Wir wollen auch in die Hauptstadt St. Johns. Also nehmen wir den alten, klapperigen Minivanbus. Ohne Fahrplan. Er fährt, wenn er voll ist. Tür auf, Leute rein, Hupen, Lachen. Ein kleines Abenteuer – und wir mittendrin. Der Markt lohnt sich. Wir kehren an Bord zurück mit einem großen Beutel Obst und Gemüse. Sauteurer Luxus!
Zeit, weiter nach Süden zu segeln. Antigua und Barbuda haben uns gefordert, inspiriert und oft schmunzeln lassen. Danke für Sonne, Meer, Gastfreundschaft – und das tägliche kleine Chaos.
Und Fuchur? Der schwimmt weiter. Wie immer. Auch wenn sein Unterwasserschiff dringend Aufmerksamkeit braucht.
Nachtrag:
Inzwischen in Guadeloupe. Französische und kreolische Lebensart, Baguette, wieder Französisch im Ohr. Wir haben eine Machete gekauft und gehen nicht mehr direkt unter Kokospalmen durch. Aber das ist eine andere Geschichte.
hier der englische Originaltext des Briefings mit deutscher Übersetzung















































































































































































































































