Ankommen zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Nach einem nassen, ziemlich sportlichen Ritt von Marie-Galante nach Martinique (heftige Schauerböen von der Südspitze von Dominica an) landen wir schließlich in St. Pierre an der Nordwestseite der Insel. Der Anker fällt – und wir gleich mit, allerdings nicht ins Wasser, sondern in den Entdeckermodus.
Wir paddeln an Land, schließen das Dinghy unter fallenden Kokosnüssen an (leicht erhöhtes Restrisiko) und zu Fuß erkunden wir den Ort, der irgendwie gleichzeitig zwei Leben führt: In unserem Kopf läuft noch das alte St. Pierre – „Paris der Karibik“, Boulevards, Theater, elegante Steinhäuser. Und direkt davor das heutige: improvisiert, bunt, leicht schief, karibisch-pragmatisch. Dazwischen schiebt sich immer wieder der Gedanke an den Vulkanausbruch, der hier einmal alles beendet hat. Ein merkwürdiger Kontrast, der bleibt. Und mein Architektenherz macht kleine, aufgeregte Hüpfer.
Brot, Busse und Begegnungen
Doch, da war doch was, richtig, Karneval, kein Brot mehr, nirgends, bevor die kleinen Läden schließen ist bereits alles ausverkauft. Irgendwann quatsche ich einen nett aussehenden Mann vor seinem Haus an und frage nach einer Möglichkeit, noch ein Brot zu bekommen. Es folgt eine Unterhaltung über die hiesigen Gebräuche und das bevorstehende Fest. Dann verschwindet seine Mutter im Haus – und überreicht uns strahlend: ein Baguette aus ihrer Küche. Das nenne ich Gastfreundschaft! Der Ort wächst uns ans Herz. Wir spähen die Bushaltestelle aus, es gibt sogar einen Fahrplan, sowas haben wir lange nicht gesehen! Und: es funktioniert – nach unseren Maßstäben hervorragend – danke Frankreich!
Wir nehmen den Bus quer über die Insel – durch Regenwald, vorbei am Vulkan Mont Pelée (nein, den Aufstieg traue ich mir nicht zu – Silvi und Hendrik hingegen wedeln Tage später mal kurz hoch. Aber jeder nach seinen Möglichkeiten und Ambitionen.), hinüber zur Atlantikseite. Riesige Farne, Bambus, Zuckerrohrfelder. Alles wirkt ein bisschen überdimensioniert, als hätte jemand beim Maßstab großzügig aufgedreht. Und der Bus? Richtig sauber und luxuriös, mit Klimaanlage, billig. Aber in Antigua war es auch toll, eben anders.
Atlantikseite: Phantasien zum Durchlaufen
Auf der Atlantikseite laufen wir weiter, finden unseren angeblichen „Weg“ mitten durch Zuckerrohrfelder, teilweise eher sportlich als geplant. Dann eine Hängebrücke über einen Fluss, Dschungel ringsum. Und vorne wie im Fokus: die Brandung des Atlantiks an der Flussmündung. Einer dieser Momente, die sich ganz leise festsetzen. Auf der ganzen Tour treffen wir nur ein britisches Paar. Sie wissen gar nicht wovon wir reden, sie kommen vom Parkplatz direkt neben der Brücke. Und später begegnet uns eine einheimische Großfamilie in Flipflops, die fischen wollen – na dann, ich wüsste nicht wie das gehen sollte. Vielleicht fehlt mir die Phantasie. Aber dieser Trip war …. truly phantasia!
Motorstreik und Improvisation
Zurück am Boot dann der Klassiker: Wir wollen los – der Motor nicht.
Also Fehlersuche statt Anker auf. Relativ schnell wird klar: Die Starterbatterie hat beschlossen, dass ein Jahr Dauereinsatz wirklich genug Beitrag ihrerseits war, zumal sie ja schon etwas betagter war, als es losging. Gleichzeitig finden wir auch noch (ein wenig) Salzwasser in der Bilge der Batteriebank, das die Servicebank gleich mit irritiert hat. Also erstmal alles trocknen, sauber machen, sortieren. Dann geht es eben erst morgen weiter – Bordleben in Reinform.
Enge Buchten und weite Begegnungen
Die Starterbatterie überbrücken wir provisorisch über die Servicebank. Funktioniert erstmal. Reicht für die nächsten paar Hüpfer. Zumal wir inzwischen recht gut im Ablegen unter Segeln sind.
Wir segeln weiter nach Petit Anse d’Arlet – und treffen dort Silvi und Hendrik wieder. Seit La Gomera kreuzen sich unsere Wege immer wieder, wir sind sogar die ersten zwei Tage von den Kapverden gemeinsam losgesegelt, bevor sich unsere Routen getrennt haben. Entsprechend viel gibt es auszutauschen: Erfahrungen, Tipps, Geschichten – und Kokosnüsse.
Die Bucht selbst hat es allerdings in sich. Die engste Ankersituation, die wir je hatten. Und während wir noch versuchen, uns halbwegs entspannt einzurichten, schwojen um uns herum große Charterkatamarane, deren Crews offensichtlich gerade ihre ersten praktischen Erfahrungen sammeln. Wenn so ein Teil dann bis auf zwei Meter herankommt, wird es… sagen wir mal: aufmerksamkeitsfördernd.
Vor allem, nachdem uns in St. Pierre tatsächlich zum ersten Mal jemand leicht „angedetscht“ hat. Wir waren zum Glück an Deck und konnten abfendern – aber seitdem schauen wir nochmal genauer hin.
Le Lamentin – Lost Place mit Mangrovenmagie
Dann ruft der Besorgungsmarathon.
Wir verholen uns in die Bucht vor dem Gewerbegebiet von Le Lamentin, östlich von Fort-de-France. Der erste Eindruck ist… speziell.
Wracks überall. Masten ragen aus dem Wasser, Boote liegen halb auf der Seite am Ufer, andere hängen offensichtlich seit Jahren unbewegt an Moorings. Kaputte Stege neben kaputten Gebäuden mit kaputten Booten davor. Dahinter die brennenden Schornsteine einer Ölraffinerie. So eine Art maritimer Endzeitfilm, nur ohne Musik und Abspann.
Mangroven, Serien und ein bisschen Glück
Willkommen fühlen wir uns erstmal nicht. Kein klarer Anlandeplatz, vieles privat, vieles kaputt, und die Bewertungen auf den üblichen Cruising-Seiten sind… sagen wir mal zurückhaltend begeistert und berichten von Ablehnung.
Also machen wir das, was wir immer machen: Dinghy ins Wasser und selbst schauen.
Im letzten Abendlicht fahren wir durch die Bucht. Einen guten Anlandeplatz finden wir zunächst nicht – dafür etwas Anderes: die Mangroven.
Sobald man ein paar Meter hineinfährt, ist man in einer komplett anderen Welt. Still, dicht, voller Leben. Vögel, Fische, Pflanzen – alles irgendwie näher, intensiver. So haben wir das noch nicht erlebt. Die Stille der Bucht ergibt plötzlich Sinn – und fühlt sich nicht mehr falsch an.
Abends, leicht frustriert wegen der Anlandesituation, suche ich nach einer Serie, um unser Französisch etwas aufzubessern und einfach mal abzuschalten vom Ankeralltag. Unsere Technik: kombiniere Spaß mit Lernen, Originalton und Untertitel, alle paar Minuten zurückspulen und Revision. Das funktioniert erstaunlich gut – zumindest bis die Handlung spannender wird als die Grammatik. Ich lande bei Deadly Tropics. Und während wir da so reinschauen, dämmert es langsam:
Diese Mangroven… diese Stege… das kommt uns alles verdächtig bekannt vor. Da waren wir vorhin! Also: genau da!
Am nächsten Tag fahren wir genau zu diesem kleinen Steg – und tatsächlich: perfekter Dinghy-Zugang, versteckt zwischen den Stegen eines privaten Yachthafens, eindeutig legal für uns zu nutzen. Glück muss man manchmal einfach erkennen, wenn es zufällig im (diesmal per VPN deutschen) Fernsehen läuft.
Kulturschock im Einkaufsparadies
Von dort aus laufen wir los – und merken schnell: Das große Gewerbegebiet von Le Lamentin ist zu Fuß praktisch unerreichbar. Die Autobahn führt schnurgerade durch die Mangroven, da kann man aber nicht laufen. Der Fußweg macht einen riesigen Umweg außen herum. Google kennt nur den Weg über die Autobahn, auch zu Fuß. Die Einheimischen schütteln nur die Köpfe, als wir fragen. Also Bus. Kein Problem. Der Fahrkartenautomat ist kaputt, also machen wir was alle machen: einfach mitfahren und möglichst so tun, als wüsste man genau, dass das so gehört.
Und dann trifft uns der Kulturschock.
Nach fast einem Jahr ohne Autobahnen, große Einkaufszentren und Industriegebiete laufen wir uns einen ganzen Tag lang die Füße platt: ein riesiger Decathlon, mehrere (teure) Stoffläden, Baumarkt, alles einmal sichten, Preise vergleichen, Möglichkeiten abklopfen.
Zum Schluss der „Super“markt in der „Mall“. Riesig. Überwältigend.
Das letzte Mal so etwas gesehen? Vermutlich Teneriffa. Davor Hamburg. Nein, nichtmal da. Alles was ein französisches Herz begehrt!!! Käse, Fleisch, Gemüse, einfach ALLES. Naja, wer braucht schon Roggenmehl.
Wir stehen zwischen Regalen voller Optionen – und gehen am Ende mit zwei einfachen Baguettes und zwei Stück heimischen Gemüses raus. Entscheidungsunfähig vor lauter Auswahl. Sonst kaufen und essen wir, was es am Straßenrand gibt, bemühen uns, es lokal typisch zuzubereiten.
Zurück durch die Mangroven – und ins echte Bordleben
Der Rückbus lässt sich Zeit. Viel Zeit. Die Einheimischen beruhigen uns uns geben uns unverständliche Ratschläge. Es ist eben nicht so, dass hier Schulfranzösisch gesprochen wird. Alle sind hilfsbereit, aber wir verstehen fast nichts. Danke trotzdem! Das Wesentliche haben wir mitbekommen – wo wir besser nicht einsteigen.
Am Ende laufen wir im Stockdunkeln zurück durch die Mangroven – mückig (Stirnlampe war eine sehr doofe Idee!), holprig, voll beladen, leicht genervt und ziemlich müde und mit wachsender Wertschätzung für jede funktionierende Straßenlaterne dieser Welt.
Ins Dinghy klettern, durch unmarkierte Wracks und treibende Mooringleinen navigieren und unseren Fuchur wiederfinden. Gut, dass wir das Ankerlicht angelassen hatten. Wirklich gut. Machen wir inzwischen öfter. Gerne auch mit etwas lila Licht im Cockpit, um Fuchur von anderen Booten zu unterscheiden.
Alltag, der keiner ist
Der nächste Tag gehört der Verarbeitung all dieser Eindrücke – und der Listenpflege und Entscheidungsfindung, was wir letztendlich wo kaufen wollen. Zwischendurch baut Chris das WC einmal komplett auseinander und wieder zusammen. Ganz normale Urlaubsaktivität.
Nebenbei beobachten wir Jugendliche beim Training mit traditionellen Segelbooten. Schulsport deluxe. Unglaublich sportlich, viel Teamarbeit, viel Gefühl fürs Boot. Wir schauen zu, staunen und grüßen uns gegenseitig auf Deutsch, Englisch und Französisch. Endlich fühlen wir uns dort willkommen.
Silvi und Hendrik kommen dazu, und gemeinsam machen wir noch einen weiteren Busausflug ins Gewerbegebiet – diesmal mit klarer Mission: kaufen, nicht gucken.
Das Wichtigste: neue Noise-Cancelling-Kopfhörer. Meine sind im Atlantik über Bord gegangen, Christians lösen sich nach Jahren intensiver Nutzung einfach auf.
Le Marin – Chaos, Chancen und nasse Wege
Die paar Meilen gegenan nach Le Marin fahren wir zähneknirschend unter Motor. Wind, Welle, Strömung! Unsere Dinghydavits müssen wir definitiv noch verstärken. Zugkräfte unterschätzt!
Und dann dieser Anblick: die größte, vollste Ankerbucht, die wir je gesehen haben. Ein kurzer „Oh“-Moment, gefolgt von der praktischen Frage: Wo bitte sollen wir hier noch hin?Mit etwas Geduld finden wir einen Platz – stressig, aber machbar. Viel Wind hat die Suche und das Ankermanöver in der vollen Bucht nicht gerade entspannt.
Am nächsten Tag startet Teil zwei des Besorgungsmarathons. Erstmal alles sondieren, vergleichen, planen. Ohs, Ahs und Oh-Nooes inklusive.
Und natürlich streikt genau jetzt das Dinghy. Vermutlich weil es das kann. Der Propeller dreht durch. Ersatz? Haben wir nicht.
Und welche Marke führt hier keiner? Genau, unsere.
Also wieder in den Bus, den es ja hier gibt, halleluja, zurück nach Le Lamentin, reparieren, organisieren, weitermachen.
Danach fügt sich erstaunlich viel: neue Starterbatterie, endlich passende Solarpanels (seit Galizien gesucht!), neue Unterwanten beauftragt.
Und dann fahren wir zu einem echten Luxus: einem Supermarkt mit eigenem Dinghy-Dock, bei dem man mit dem Einkaufswagen direkt bis ans Boot fahren kann.
Nach Monaten des Schleppens über Kilometer durch Hitze fühlt sich das fast dekadent an.
Luxus, Pudel und Dinghy-Realität
Das Leben bleibt trotzdem nass. Es pustet immer ordentlich und es baut sich in der Bucht eine lästige, steile Windwelle auf.
Beim Einsteigen ins Dinghy wird man grundsätzlich mindestens halb geduscht – erst ein Eimer voll von der Seite, dann von vorne, dann sicherheitshalber nochmal von rechts.
An Land sieht man entsprechend aus: erst wie ein nasser Pudel, dann wie ein salzverkrusteter Pudel mit verstrubbelten, verklebten Haaren und weißen Rändern auf den (sowieso schon spärlichen) Klamotten. Aber hier sind viele so unterwegs, also passt das schon. In Deutschland würde ich mich so nirgends hintrauen. Hier haben wir keine Wahl.
Fundstücke und fliegende Dinghys
Zwischendurch treibt ein halb kaputtes Schlauchboot an uns vorbei. Chris springt ins unser Dinghy, fängt das Treibende ein. Kein Name dran.
Wir überlegen, was wir damit tun sollen, fragen herum – keiner fühlt sich zuständig. Nicht mal die Hafenbehörde.
Abends dann die Erlösung: „Hellooo – thank you for saving my dinghy!“
Die Besitzerin hatte schon gesucht. Wir sind es wieder los. Win-win. Wir waren nicht scharf darauf, es zu adoptieren.
Die Bucht lebt
Von den ungewöhnlich kreativen Wohnformen aus Päckchen von gestrandeten Booten, teils mit Gemüsegärten drauf, haben wir aus Respekt vor den Bewohnern, wie auch sonst so oft an Land, keine Fotos gemacht.
In dieser Bucht gibt es einfach alles von klein bis riesengroß, von ganz kaputt und gesunken bis unter Wasser beleuchteter Superyacht. Und wir mit unserem Glücksdrachen mittendrin. Menschen auf der Durchreise, Menschen auf dem Absprung. Menschen die hier hängenbleiben oder hängengeblieben sind. Ein bunter Mix aus vielen Nationen. Allerdings deutlich geprägt von weißer Hautfarbe, wie bisher überall in Seglerkreisen, die wir getroffen haben. Warum ist das so?
Rigg, Rechnungen und Realität
Für die neuen Wanten werden wir übrigens zweimal (bzw. viermal, zweimal hin und zurück) unnötig nass – sie sind einfach noch nicht fertig, obwohl anders angekündigt. Aber gut, das gehört hier offenbar dazu. Für meine Verhältnisse habe ich mich fast gar nicht darüber aufgeregt.
Am Ende steht das Rigg wieder, Chris optimiert gerade noch die Spannung über meinem Kopf, während ich schreibe.
Die ganzen Aktionen waren allerdings so kostspielig, dass wir erstmal auf den nächsten Kreditkarten-Monatswechsel warten müssen. Das ist noch nie passiert! Also Pause in St. Anne, der Ankerbucht direkt um die Ecke.
St. Anne – Pause, die keine ist
Und plötzlich ist alles wieder entspannter. Mehr Platz, mehr Horizont, baden gehen, durchatmen. Kostet gar nichts.
Wir nähen einen UV-Schutz fürs Dinghy aus Stoffresten, waschen mit gesammeltem Regenwasser, machen einen Ölwechsel (danke an Anja und Hakan für den Support und die geliehene Pumpe – inzwischen haben wir selbst eine) und montieren die neuen Solarpanels.
Kleine Welt, große Zufälle
Dann plötzlich eine Stimme von achtern.
Es dauert ein paar Sekunden – dann fällt der Groschen: Ulf. Früherer Stegnachbar aus Deutschland, Ostsee, zuhause. Jetzt in der Karibik.
Er hat uns bzw. Fuchur beim Ankern seines Charterbootes erkannt, ist ins Dinghy gestiegen und einfach mal vorbeigekommen.
Was sonst. So geht das hier.
Kurz darauf sind auch Kira und Turan in der Bucht. Ein paar Boote weiter. Wir freuen uns. Seit Mindelo treffen wir uns immer mal wieder. Natürlich verabreden wir uns später auf einen Sundowner bei uns. Es wird ein sehr schöner Abend – inspirierend, musikalisch, nicht trivial.
Zwischendurch schleppen wir eine riesige Ladung Wäsche zur Wäscherei, erkunden währenddessen die Umgebung – und dann kommt auch noch Laura Dekker mit ihrem Jugendsegelprojekt (Guppy) in die Bucht. Mit Ulfs und Sandras Tochter als Crewmitglied. Auch die zweite Tochter ist schon mitgesegelt. Kleine Welt, mal wieder.
Letzte Besorgungen, große Schiffe, Stammtisch mit Currywurst
Für die letzten Besorgungen müssen wir doch nochmal rein nach Le Marin. Das Ankerfeld ist noch voller als zuvor, also ankern wir weit draußen im tiefen Wasser. Carla und Rene, die wir aus Antigua kennen, gesellen sich dazu. Wir verbringen zusammen zwei nette Sundowner auf unseren sehr unterschiedlichen Booten und stauben nebenbei günstig deren alten Plotter ab, den wir als Tochtergerät im Niedergang montieren wollen.
Das muss aber, wie so viele Installationen besorgter Dinge, erstmal warten.
Im Zuge des „Besorgens“ gehen wir erst alle Fächer unter unseren Bodenbrettern durch, dann im Zuge der großen Motorwartung die vollgestopfte Achterkabine. Kai und Tina nennen ihre liebevoll „die Kammer des Schreckens“. Alles einmal raus und sauber sortiert wieder rein, puh, aber fühlt sich gut an. Abends besuchen wir dann noch Ulf und Sandra und Harald und Christine auf ihrem großen Charter-Katamaran. Möchten wir tauschen? (Noch) nicht wirklich. Doppelte Sorgen!
Beim Einkauf der Motorersatzteile fragt uns der Werkstattleiter, ob wir den Motor neu bauen wollen. Wetten dass wir das EINE Teil das wir nach langen Diskussionen weggelassen haben in der blödesten Situation brauchen werden?
Nach einem letzten Lebensmittelgroßeinkauf geht es schließlich zum Ausklarieren. Toitoitoi, bisher hat die vorab gefürchtete Bürokratie überall problemlos geklappt, ist nur lästig. Aber wir fühlen uns grundsätzlich willkommen.
Dann eine weitere spannende Nachbarschaft: ich erwähnte, dass wir weit draußen im tiefen Wasser ankern. Das mag auch der niederländische alte Dreimaster Oosterschelde. Der nutzt den Raum hinter uns, was bedeutet, dass er förmlich unsere Seite streift, um den Anker zu platzieren. Sehr eindrucksvoll. Aber der Skipper hat alles im Griff! Chapeau!
Wir machen Fuchur abfahrbereit für den nächsten Morgen und Carla und Rene sind so nett, uns in ihrem Dinghy mit zum Seglerstammtisch an Land zu nehmen. Currywurst-Happy-Hour bei einer deutschen Wirtin, gibt es jeden Donnerstag. Kann man machen. Viele kennen sich offensichtlich schon länger. Und natürlich trifft man wieder Leute, die man irgendwo schon einmal getroffen hat. Karibik eben. In diesem Fall freuen wir uns, Kai und Tina wiederzusehen. Mit ihnen waren wir zuletzt zum Karnevalsumzug in Grand Bourg.
Abschied und Aufbruch
Am nächsten Tag geht es nach Rodney Bay, St. Lucia.
Endlich wieder dieses Gefühl: Leinen los im Kopf. Fuchur schaukelt und stampft vor Freude. Segel hoch!
Endlich wieder unterwegs. Endlich wieder dieser kleine Kribbelmoment: Neues vor uns. Phantasien voraus!
Ich sollte mich vielleicht doch nochmal auf „Fluch der Karibik“ einlassen. Bisher habe ich mich dafür nicht begeistern können. Ich habe immer die Messer und Säbel gesehen, nicht den Hintergrund. Jedenfalls reisen wir mal wieder durch Kulissen….
Warum das alles?
Falls ihr euch fragt, warum wir so viel besorgen mussten:
Wir sind nun schon ein ganzes Jahr unterwegs.
Das sind mindestens zwei intensive Saisons.
Mehrere Passagen und eine Atlantiküberquerung liegen hinter uns.
Viel Wind, viel Welle, sehr viel UV.
Das zehrt. Fuchur muss sich wohlfühlen und wir sicher.
Und wir wollen weiter.
Erstmal weiter nach Süden für die Hurrikansaison, also nach den Grenadinen nach Grenada. Orte, an denen vieles nicht verfügbar oder deutlich teurer sein wird.
Also lieber jetzt.
Und natürlich…
Was passiert als erstes, was wir nicht bedacht haben?
Wir erreichen Bequia und die Stimmwirbel der Westerngitarre brechen reihenweise.
Natürlich.
Ok, ja, wir haben noch andere Instrumente, aber unsere Westerngitarre „Cognac“, wie wir sie liebevoll nennen, ist DIE stabile Säule unserer Kreativität und fehlt!
Falls also jemand eine Idee hat, wie wir unterwegs an passende Mechaniken kommen:
Wir sind offen für kreative Lösungen 😄 Jetzt gehen wir mal an Land und fragen uns durch. Silvi hat hier ihren „Shoeman“ gefunden, warum sollten wir nicht einen „Guitarman“ (oder woman!) finden. Leider sind die Ersatzteile relativ speziell und nicht durch Handwerkskunst zu ersetzen.
Wir melden uns!





































































